30. September 2025

Von Alexander Feil
Die CMS Berlin 2025 (23.–26. September) warb nicht für Reinigungsroboter – sie setzte sie voraus. Im Vergleich zu vor zwei Jahren verschob sich die Stimmung von „ob Roboter wichtig werden" zu „wie sie skalieren, sich integrieren und in der unordentlichen Realität bestehen". An den Ständen ging es um Flottenkalibrierung, Verfügbarkeit, Ausnahmebehandlung und Servicedesign. Das Spektakel verlagerte sich von generischen Bodenscheuermaschinen zu kniffligen Sonderfällen.
Die meistgefilmte Demo war keine weitere Bodeneinheit – es war ein Badezimmer-/Toilettenreinigungsroboter. Primech (Primech/Primech AI) zeigte HYTRON, wie er wiederholt Toiletten, Waschbecken und Spiegel bewältigte, mit autonomem Bürstenwechsel und präziser Navigation in Nassräumen. Es ist genau die Art „Last-Mile"-Aufgabe, die früher als zu unregelmäßig für die Automatisierung abgetan wurde – und genau deshalb standen die Besucher Schlange. Die CMS selbst hob HYTRON in ihrem Tages-Update hervor und betonte die Live-Demos und den 3D-Sensoransatz.
Ein weiterer Publikumsmagnet lebte über dem Boden. KTV Working Drone führte in Halle 4 regelmäßige Fassadenreinigungs-Demos vor: eine vom Boden aus gesteuerte, kabelgebundene Drohne, die Fenster und Mauerwerk aus der Höhe besprüht – die Art von riskanter, repetitiver Arbeit, die nach einem sichereren robotischen Workflow ruft. Die CMS stellte dies in ihrer Notiz zum zweiten Tag in den Vordergrund; KTV hatte seine Präsenz bereits vor der Messe angekündigt. Zusammengenommen signalisiert das, dass vertikale Flächen vom Konzeptvideo zur betrieblichen Vorführung übergehen.
Ecovacs Commercial gab auf der CMS Berlin ein formelles Debüt und präsentierte professionelle Varianten, getragen vom Navigations- und Software-Erbe des Unternehmens sowie dem Self-Service-Stations-Know-how aus dem Consumer-Bereich. Die Botschaft drehte sich um Robustheit und Praxistauglichkeit statt um Neuheit – im Einklang mit dem Gesamtton der Messe.

Spät in den Hallengesprächen kam eine Überraschung: Adlatus und Neura kündigten eine strategische Partnerschaft an und präsentierten erstmals gemeinsam auf der CMS. Keine M&A-Papiere hier, aber die Kooperation signalisiert eine europäische Tendenz zu enger verzahnten Hardware-plus-Kognitions-Stacks. Vertieft sie sich, wäre das ein bemerkenswerter Konsolidierungsschritt in der EU-Reinigungsrobotik.
Auf der Technologieachse tauchte Heißwasserreinigung in Botschaften und Demos auf – Wasser wird auf ~80 °C erhitzt, um die Fleckentfernung zu verbessern. Ob als „Thermal Cleaning" oder ähnlich vermarktet, die Botschaft ist einfach: die Wirksamkeit verbessern, nicht nur die Flächenabdeckung. Es ist zu erwarten, dass Pilotprojekte ausloten, wann Hitze die Chemie schlägt (oder reduziert).
Vor zwei Jahren kreisten die Debatten um die Tragfähigkeit; dieses Jahr ist der Engpass die Orchestrierung: wiederholbare Einsätze über viele Standorte hinweg, mit dokumentierten Übergaben zwischen Mensch und Maschine und klaren Rückfalloptionen, wenn die Autonomie stolpert. Die zentralen Diskussionen: Kalibrierungsstandards, Ausnahme-Taxonomien und Service-SLAs, die Roboter einschließen. (Man hörte es in den Fragen.)
Böden sind „Pflichtprogramm". Die Energie hat sich zu Nassräumen, vertikalen Flächen und komplexen Geometrien verlagert – Badezimmer mit Sanitärobjekten und engen Kabinen; Fassaden, Solaranlagen, Dächer. Dort zückten die Besucher die Handys und bildeten Schlangen. Badezimmer-Autonomie und Drohnen-Fassaden sind die neuen Belege.
Statt Big-Bang-Enthüllungen setzten die Anbieter auf Softwarezuverlässigkeit, Selbstdiagnose, Workflow-Integration und Flottenwerkzeuge. Der Markt verhält sich weniger wie Gadget-Land und mehr wie B2B-Infrastruktur: weniger Heldenmomente, mehr Gespräche über APIs, Daten und Wartungslogistik.
Die Allianz Adlatus–Neura liest sich wie ein Wegpunkt hin zu tieferer vertikaler Integration in Europa. Es ist keine Übernahme – zumindest nicht jetzt –, aber die Richtung ist klar: einen Reinigungs-Platzhirsch mit einem Spezialisten für kognitive Robotik zu paaren. Verfestigt sie sich, wird sie beeinflussen, wer die De-facto-Standards für Wahrnehmung, Sicherheit und Flottenverhalten setzt.
Funktionen wie Heißwasserreinigung rahmten das Gespräch neu – von „navigiert es?" zu „reinigt es besser?". Das ist gesund: Ergebnisse, nicht nur Autonomie, sollten über die Kategoriegewinner entscheiden.
In den Hallengesprächen deutete sich an, dass neue Modelle auf den nächsten Interclean-Zyklus getaktet werden, doch erwarte keine Schocktherapie. Erwarte aber: stärkere Badezimmer-Module (wechselbare Werkzeuge, bessere Wahrnehmung in reflektierenden/nassen Umgebungen), reifende Workflows für vertikale Flächen (Drohnen/Portale) und eine stetigere API-/Telemetrie-Vereinheitlichung zwischen Flottenmanagern und FM-Systemen.

Die CMS Berlin 2025 war ein Barometer, kein Feuerwerk. Die Branche hat den Punkt überschritten, an dem es darum ging zu beweisen, dass Roboter reinigen können. Die Arbeit besteht nun darin, zuverlässig zu skalieren, Sonderfälle zu lösen und Wirksamkeit zu messen. Badezimmer und Fassaden zogen die Aufmerksamkeit auf sich, weil sie die letzten schweren Meter darstellen. Partnerschaften wie Adlatus × Neura deuten auf eine europäische Verschiebung zu integrierten Stacks hin; Ecovacs zeigt, wie Consumer-DNA in professionelle Zuverlässigkeit wandert. Und kleine, aber vielsagende Technik wie Thermal Cleaning erinnert alle daran, dass Leistung immer noch wichtiger ist als Autonomie-Theater. Das Hype-Fenster ist geschlossen; das Betriebsfenster ist offen.