The Biggest Fleet 2024

David und Goliath?

3. Dezember 2024

David und Goliath?
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Zugegeben, unsere Titelgrafik zu Learning 2 vermittelt ein gewisses Gefühl von Gegensatz. Doch unser Ranking und das internationale Branchenfeedback legen eine wesentliche Lehre nahe: Microbots und Roboter werden selten zusammen gedacht. Zahlreiche Flotten beschränken sich auf einen Robotertyp. Während die einen die kostengünstigen Microbots bloß als Stolperfallen sehen, kaufen andere ganze Schwärme kleiner Saugroboter. Wir haben beide vorherrschenden Meinungen gegenübergestellt.

Rückblick: Was sind Microbots?

Microbots sind kleine, professionelle Reinigungsroboter, die meist unter 10.000 US-Dollar kosten und so kompakt sind, dass sie problemlos in einen DHL- oder UPS-Paketkarton passen. Diese Roboter werden vor allem in Umgebungen eingesetzt, in denen größere Maschinen aufgrund der begrenzten Raumgröße und hohen Komplexität problematisch wären – etwa in Büros mit viel Mobiliar oder in Hotels. Einige Hersteller haben sich bereits auf das Microbot-Segment spezialisiert. Dazu zählen i-Team, Nexaro, Cleanfix und ZACO. Auch der deutsche Reinigungsmaschinen-Riese Kärcher hat mit dem KIRA CV 50 einen kleinen professionellen Roboter im Sortiment.

Der CLEANFIX S170 Navi ist ein Beispiel für ein Gerät der Microbot-Klasse (Foto: FieldBots)
Der CLEANFIX S170 Navi ist ein Beispiel für ein Gerät der Microbot-Klasse (Foto: FieldBots)

Stimme aus der Branche 1

Moritz Fendt

Gründer & CEO FENKA Robotics

Mit einem Verhältnis von 5:1 sind Microbots in der aggregierten Gewichtung des Rankings noch immer überbewertet. Im Vermietgeschäft von FENKA im deutschsprachigen Raum haben Microbots eine untergeordnete Rolle gespielt. Unser täglicher Austausch mit Gebäudedienstleistern zeigt einen starken Trend hin zur Robotisierung von Walk-behind- und Aufsitzmaschinen. Natürlich reisen wir auch regelmäßig nach Asien und weltweit, um die neuesten Entwicklungen zu sehen. Bislang hat uns wenig von der Notwendigkeit eines großflächigen Einstiegs in Microbots überzeugt.

Meinung 1: Microbots sind Stolperfallen

Wir haben auf Basis unseres Learnings, dass Reinigungsunternehmen derzeit zu einer „Entweder-oder"-Entscheidung tendieren, ein breites Meinungsspektrum gesammelt. Hier die am häufigsten genannten Argumente für große Roboter – und gegen Microbots.

1. Sicherheitsbedenken

Da Microbots kleiner und leichter sind, besteht ein Risiko von Diebstahl oder Beschädigung. Diese Geräte könnten unabsichtlich umgestoßen oder sogar gestohlen werden, was in öffentlichen oder schlecht überwachten Bereichen ein besonderes Risiko darstellt.

2. Leistung

Während große Roboter große Flächen effizient reinigen können, stoßen Microbots schnell an ihre Leistungsgrenzen. Für die Reinigung großer, weitläufiger Flächen sind sie ungeeignet oder nur mit großem Aufwand orchestrierbar.

3. Fehlende Multifunktionalität

Microbots haben in den letzten Jahren eine rasche Entwicklung von Reinigungsleistung und -qualität erlebt. Dennoch lässt sich nicht übersehen, dass im Microbot-Segment besonders Saugroboter vorherrschen. Ihre Leistung beim „Wischen" überzeugt noch nicht. Die Verfügbarkeit multifunktionaler Geräte, die mehrere Aufgaben zugleich und auf hohem Niveau erfüllen, ist noch nicht in Sicht.

4. Übersichtlichkeit

Wer einen Schwarm kleiner Geräte kauft, muss sich auch um einen Schwarm kleiner Geräte kümmern. Wo viele Roboter im Einsatz sind, können auch viele ausfallen oder nicht performen. Die Zahl der nötigen Prüfungen steigt dramatisch. Ein ernsthaftes Flottenmanagement ist unvermeidlich.

5. Zentrale Wartung bei großen Robotern

Bei großen, leistungsstarken Robotern ist hingegen eine zentrale Wartung möglich. Große Maschinen erfordern weniger Koordination als eine Flotte von Microbots. Sie können von einem spezialisierten Team gewartet und betrieben werden, was den administrativen Aufwand reduziert.

6. Langlebigkeit und Robustheit

Große Roboter sind in der Regel robuster und widerstandsfähiger gegen Störungen oder Beschädigungen. Ihre Technik ist darauf ausgelegt, auch unter anspruchsvollen Bedingungen zuverlässig zu arbeiten.

Stimme aus der Branche 2

Michael Lackner

CEO Dr. Sasse Facility Management GmbH

Microbots sind der Einstiegspunkt für FM-Dienstleister in die Automatisierung, daher ist die Gewichtung im Ranking nur logisch. Infrastrukturelles Facility Management war schon immer hochgradig individuell, und Automatisierung sollte im selben Geist angegangen werden. Nur Microbots erlauben einen pragmatischen und organischen Ansatz, der unsere Branche und ihre Bedürfnisse berücksichtigt. Versteht mich nicht falsch, wir setzen in der Gruppe eine dreistellige Zahl großer Maschinen ein, doch wir setzen darauf – zuletzt mit der Investition in weitere 150 Microbots –, dass sie berechtigt sind und ihre Position langfristig behaupten werden.

Meinung 2: Microbots sind der Schlüssel

Trotz der Herausforderungen können Microbots die Automatisierung in der Reinigungsbranche voranbringen. Ihre Flexibilität bietet zahlreiche und unschätzbare Vorteile, besonders in dynamischen Arbeitsumgebungen.

1. Kosteneinsparungen und guter ROI

Microbots sind in der Anschaffung deutlich günstiger als große Maschinen. Für Unternehmen, die ihre Reinigungsprozesse automatisieren wollen, bieten sie eine kosteneffiziente Möglichkeit, ohne hohe Investitionskosten tragen zu müssen. Das schnelle Erreichen des ROI macht Folgeinvestitionen wahrscheinlicher. Kleine Reinigungsunternehmen können ihren Kunden Automatisierungslösungen anbieten, ohne zu viel Kapital zu investieren.

2. Modularität und Skalierbarkeit

Eine Flotte kleiner Roboter ermöglicht es, die Reinigung nach Bedarf zu skalieren. Unternehmen können ihre Microbots je nach Umfang und Komplexität der Aufgaben erweitern, ohne sofort in teure große Maschinen zu investieren.

3. Plug and Play

Microbots erfordern meist keine umfangreiche Schulung. Viele Produkte lassen sich sogar ohne App starten – einfach per Knopfdruck am Gerät. Dadurch ist die Nutzung von Microbots selbsterklärend, und eine groß angelegte Schulung ist nicht erforderlich.

4. Zuverlässigkeit

Lange Ausfallzeiten und das Warten auf bestimmte Ersatzteile sind die Achillesferse der automatisierten Reinigung. Objekte müssen gereinigt werden, ob durch Roboter oder durch Menschenhand. Microbots lassen sich dank einfachem Versand und vergleichsweise niedrigen Kosten schnell ersetzen. Das verhindert lange Ausfallzeiten.

5. Einfache Integration in bestehende Arbeitsprozesse

Microbots lassen sich leicht in bestehende Facility-Management-Strukturen integrieren, ohne umfangreiche Infrastrukturanpassungen zu erfordern. So sind etwa „Drop-and-go"-Szenarien in der Hotellerie gängige Praxis. Dabei stellt das Reinigungspersonal einen Microbot in einem Hotelzimmer ab, während es im nächsten andere Aufgaben wie das Beziehen der Betten erledigt.

6. Schmutzarbeit dort, wo große Roboter nicht hinkommen

Microbots können in komplexeren Umgebungen eingesetzt werden, die Genauigkeit und Flexibilität erfordern. Sie sind ideal für enge Räume und schwer zugängliche Bereiche, die große Maschinen nicht erreichen. Diese kleinen Roboter helfen, Flächen unter Tischen, Stühlen oder Sanitärobjekten zu reinigen.

Fazit: Automatisierung ganzheitlich denken

Die robotergestützte Reinigung steht am Anfang einer bedeutenden Transformation, und es ist klar, dass sowohl Microbots als auch große Roboter ihren Platz haben. Um das volle Potenzial der Automatisierung auszuschöpfen, müssen diese beiden Modelle jedoch koexistieren und kombiniert werden.

Für Robotikhersteller bedeutet das, sich nicht nur auf die Entwicklung einer einzelnen Technologie zu konzentrieren. Lösungen, die große Maschinen und Microbots in einem System integrieren, könnten die Zukunft der Branche prägen. Hersteller müssen zudem flexible Plattformen entwickeln, die verschiedene Robotertypen koordinieren und optimieren können.

Für Facility Manager bedeutet das, die spezifischen Anforderungen ihrer Reinigungsumgebungen genau zu betrachten. In vielen Fällen wird es sinnvoll sein, sowohl kleine als auch große Roboter einzusetzen, um unterschiedliche Reinigungsbedürfnisse abzudecken. Zu verstehen, wie Microbots und große Roboter am besten zusammenarbeiten, ist entscheidend, um Effizienz und Rentabilität zu maximieren.

Das Ranking zeigt, dass besonders in Europa der Mix verschiedener Roboterklassen bereits angekommen ist. Eines ist klar: Aufgrund der aktuellen Struktur der Herstellersortimente führt das Mischen von Geräteklassen auch zum Mischen von Herstellermarken. Auch dieses Phänomen ist im Ranking deutlich sichtbar.

Die Zukunft der Reinigungsrobotik wird die Koexistenz und Integration beider Modelle erfordern. Die Herausforderung der Branche wird darin bestehen, diese beiden Technologien nahtlos zu verbinden und von ihren jeweiligen Stärken zu profitieren, um den größtmöglichen Wert für alle Beteiligten zu schaffen.

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