3. Dezember 2024

Dieser Artikel ist Teil der Ergebnisse von The Biggest Fleet 2024. Hier geht's zu allen Ergebnissen
Ich arbeite nun seit fast 25 Jahren in der Reinigungsbranche. In dieser Zeit habe ich viele Innovationen gesehen, und es ist unvermeidlich, dass man automatisch mit den neuesten Technologien in Berührung kommt. Autonome Reinigung begleitet mich seit acht Jahren und fasziniert mich täglich.
Wir haben zwei Microbots zu Hause. Ein Modell zum Saugen und ein zweites, neueres Modell, das auch nass reinigt – auf einem Niveau, das ich akzeptabel finde. Als Katzenliebhaber hilft uns moderne Technik, die Wohnung sauber zu halten, was mit drei Maine-Coon-Katzen zu Hause eine echte Herausforderung ist.
Unser Ziel ist nicht nur, unseren Kunden einen Reinigungsroboter zu verkaufen. Auch wenn das natürlich unsere Hauptaufgabe ist. Für uns bedeutet Robotik mehr und muss immer als Teil einer Lösung gedacht werden. Fernsteuerung, Automatisierung, Aufzugintegration, Kommunikation mit der Gebäudeinfrastruktur und VDA5050 sind nur einige Beispiele für die Lösungen, die wir unseren Kunden bieten wollen. Natürlich ist auch die Zusammenarbeit mit Partnern wie FieldBots ein wesentlicher Teil der Gesamtlösung. Hier kommen die Stärken des PHILON-Teams zum Tragen, denn wir geben unser Wissen gern in Form von Beratung, Projektmanagement und Implementierung an unsere Kunden weiter.
Wir haben kürzlich einen bedeutenden Auftrag von und mit ROSSMANN gewonnen. Die ersten 40 Geräte sind bereits ausgeliefert und in Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Weitere 130 Einheiten folgen Anfang 2025 deutschlandweit. Ich bin überzeugt, dass unsere PHANTAS-Roboter in den kommenden Wochen die Aufmerksamkeit weiterer Kunden auf sich ziehen werden, denn der Kunde traf seine Entscheidung für dieses Modell genau wegen seiner Einfachheit, Flexibilität und Zuverlässigkeit. Natürlich wurde auch das Reinigungsergebnis bewertet. Im Vergleich zu anderen Produkten dieser Klasse stachen der Phantas, unser Service und unser Know-how hervor und führten letztlich zum Erfolg.

Ich glaube, andere Länder und Kontinente sind im Umgang mit Robotik deutlich entspannter als wir hier in Mitteleuropa. Das mag an unseren gesetzlichen Vorschriften und Anforderungen liegen. Ein enormer Fokus auf den Datenschutz spielt hier sicher ebenfalls eine Rolle. Bewegte Kameras können einen Deutschen geradezu in kalten Schweiß ausbrechen lassen. Ich denke, Digitalisierung und Automatisierung sind in der Geschäftswelt noch nicht vollständig angekommen. Interessanterweise sieht es bei Software und dem Einsatz künstlicher Intelligenz oft anders aus. Sobald jedoch physische Bewegung ins Spiel kommt, ist die Zurückhaltung in unserem Markt noch deutlich spürbar. Das Positive an dieser Vorsicht ist vielleicht, dass es in Europa beim Thema Robotik keine blinde Euphorie gibt. Ich habe festgestellt, dass in Nordamerika oft erst gehandelt – und dann die Wunden geleckt werden. Übrigens ist ein Markt, den ich zuvor gar nicht auf dem Radar hatte, Afrika. Auch hier gibt es Industrie, und auch hier gibt es Hospitality und Bildung. Dasselbe gilt für Südamerika. Wir haben noch einige blinde Flecken und reichlich Wachstumspotenzial.
Uns fehlt noch ein Produkt, das mehrere Aufgaben zugleich lösen kann. Die aktuellen Roboter sind dafür zu spezialisiert. Es gibt verschiedene Forschungsansätze, vom Fraunhofer-Institut in Deutschland und anderen Einrichtungen, in denen versucht wird, etwa Luftqualitätsmessungen oder Echtzeit-Inventuren mit der Reinigung zu kombinieren. Bislang ist davon jedoch nichts greifbar und es ist weit von der Marktreife entfernt. Eine solche Multizonen-Lösung sehe ich als Voraussetzung für eine breite Investitionsbereitschaft – und damit für einen breiten Robotik-Rollout. Ich hoffe, dass sich in diesem Bereich in den nächsten ein bis zwei Jahren etwas tut. Viel weiter möchte ich nicht in die Zukunft blicken. Glücklicherweise sind die Innovationssprünge in unserer Branche dafür zu groß.
Es gibt weitverbreitete Befürchtungen hinsichtlich der Datensicherheit, vor allem bei asiatischen Roboterprodukten. Dieser Vorsicht fehlt jedoch oft eine technologische Grundlage. Politisches Auftreten spielt hier sicher eine Rolle. Ein zweiter Punkt ist, dass Robotikhersteller oft aus einem Software-Hintergrund kommen. Sie stecken dann viel Mühe in die Entwicklung einer mechanischen Hülle darum herum. Häufig fehlt ihnen Know-how im Bereich der Reinigungstechnik, was sich letztlich in der Reinigungsqualität der Produkte widerspiegelt. Etablierte Reinigungsmaschinenhersteller gehen hingegen den umgekehrten Weg. Sie versuchen, (Software-)Logik in ihre Hüllen zu bauen. Das Ergebnis ist sehr ähnlich. Zwar reinigen die Roboter hervorragend, doch sie benötigen Unterstützung bei der Navigation oder bei Problemlösungsfähigkeiten. Weitere Hürden sind zeitaufwendige Inbetriebnahmen, und zusätzlich ist ein aktives Management der Geräte nötig, um die Reinigungsqualität zu halten oder zu verbessern. Interessanterweise öffnen diese nur durch Technik zu überwindenden Hürden jedoch auch die Tür zu neuen Profilen junger Mitarbeitender, die sich sonst nicht für den Reinigungsmarkt als ihre berufliche Zukunft interessieren würden.
Microbots haben definitiv ihren Platz. Große und kostenintensive Roboter lassen sich nur in manchen Umgebungen installieren. Man denke nur an Hotelkorridore oder verwinkelte Umgebungen mit Treppen dazwischen. Diese Szenarien lassen sich nicht von einem einzigen Gerät abbilden. Hier führt also kein Weg an Microbots vorbei. Für uns bei Philon war aus Haftungsgründen entscheidend, dass Microbots auch B2B-zertifiziert und zugelassen sind. Deshalb sind wir in diesem Bereich erst seit sechs Monaten aktiv. Wir sehen jedoch bereits, dass unsere Kunden die kleinen Roboter gut annehmen.
Wir haben bereits über kombinierte Roboter, die mehrere Aufgaben erfüllen, über aktives Flottenmanagement und die Rolle des Robotermanagers gesprochen. Eine spannende Idee finde ich eine Art modulares System – im Prinzip eine Plattformlösung, mit der Nutzer Roboter mit unterschiedlichen Fähigkeiten konfigurieren können, nicht unähnlich einem LEGO®-Baustein oder Puzzle. Davon abgesehen denke ich, dass die Reinigung von Sanitäranlagen und Fassaden Gegenstand künftiger Automatisierung sein wird. Bei Fassaden denke ich an die Reinigung großer Glasflächen, Mauerwerk oder verputzter Oberflächen. Hier besteht ein enormer Bedarf an einer robotischen Lösung, schon allein zur Risikoprävention.
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