3. Dezember 2024

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Jahrzehntelang arbeiteten Hersteller, Händler und FM-Dienstleister in einer eingespielten Triade zusammen: Hersteller entwickeln und produzieren Reinigungsgeräte, Händler vertreiben sie in enger regionaler Zusammenarbeit, und Dienstleister setzen sie beim Endkunden ein. Dieses Konstrukt ist stabil, vertraut und beruht auf langjährigen persönlichen Beziehungen. Mit dem Einzug der Robotik in die Reinigung wächst jedoch in allen Teilen dieser Kette die Angst vor Veränderung.
Ein zentrales Element der Veränderungsangst ist der strategische Druck, dem etablierte Hersteller ausgesetzt sind. Viele von ihnen haben Jahrzehnte in die Perfektionierung ihrer Produkte investiert. Die Vorstellung, dass Roboter diese jahrzehntelange Expertise in wenigen Jahren infrage stellen könnten, ist eine Quelle der Unsicherheit. Oft hört man Aussagen wie „Robotik wird Menschen nicht ersetzen" oder „Der Markt ist noch nicht reif für solche Technologien". Diese Aussagen sind jedoch weniger Ausdruck von Realismus als ein Zeichen der Veränderungsangst. Technologisch ist die Reinigung bereits reif für die Automatisierung – die Umsetzung ist anspruchsvoll.
Die Hersteller spüren diesen Druck besonders durch neue Akteure aus ausländischen Märkten. Robotikunternehmen, die ursprünglich nichts mit der Reinigungsbranche zu tun hatten, treten in den Markt ein. Sie bringen nicht nur technologische Expertise mit, sondern auch massive Investitionen internationaler Geldgeber. Diese finanzielle Rückendeckung erlaubt es ihnen, stark in Vertrieb und Marketing zu investieren und ein Bild zu zeichnen, das den Fortschritt in der Robotik erheblich verzerrt.
Robotik stellt auch eine Bedrohung für regionale Händler dar. Bislang spielten sie die Rolle von Beratern und Dienstleistern, präsentierten ihren FM-Kunden die neuesten Innovationen und halfen bei der Auswahl der richtigen Reinigungsgeräte. Der Einzug robotischer Maschinen verändert dieses Geschäft jedoch. Roboter erfordern viel Beratung und Wartung und verlangen einen neuen Vertriebs- und Serviceansatz. Zudem ist das Robotikgeschäft für viele Händler noch kein substanzieller Umsatzbringer. Wie in der Branche oft zu hören ist, „stehen viele Roboter in der Ecke und verstauben". Die anfängliche Euphorie um die Exklusivverträge mit neuen Herstellern ist abgeklungen, und viele Händler haben erkannt, dass Robotik – zumindest im gegenwärtigen Stadium – mehr Aufwand als Gewinn bedeutet. Während sich einige innovative Händler als Robotik-Spezialisten zu positionieren versuchen, bleiben die meisten skeptisch.
Wie im Learning „Industry Sentiment" beschrieben, befindet sich die Branche in einer Phase der Erkundung. FM-Dienstleister müssen dringend Robotik-Expertise aufbauen, um ihren Kunden weiterhin das gesamte Spektrum an Facility-Management-Leistungen aus einer Hand zukunftssicher anbieten zu können. Auf absehbare Zeit werden Endkunden nicht länger als Pilotkunden zur Verfügung stehen wollen, sondern von Automatisierung profitieren.
1. FM-Dienstleister bleiben unverzichtbar
Das Know-how für den effizienten Einsatz von Robotik wird derzeit weltweit vor allem von Reinigungsdienstleistern aufgebaut. Der reine Kauf von Hardware genügt nicht. Erforderlich sind breites Wissen über geeignete Reinigungsmittel, die Fähigkeit, ganzheitliche Reinigungskonzepte zu entwickeln, und Kenntnis regionaler Vorschriften. Das sind Disziplinen, in denen Facility-Management-Unternehmen seit jeher zu Hause sind. Unser Ranking und unsere Recherche stützen die Sorge nicht, dass Händler und Endkunden den FM-Dienstleister umgehen könnten. Eine eigenständige Investition in Robotik ergibt nur für Endkunden mit eigener FM-Organisation Sinn, etwa Hotelgruppen, die ihre Zimmer mit eigenem Personal reinigen und sich dabei durch Robotik unterstützen lassen wollen.
2. Händler bleiben vorerst im Sattel
Händlerunternehmen, die seit Jahrzehnten in der Reinigungsbranche etabliert sind, bleiben die erste Anlaufstelle ihrer Kunden, wenn es um Robotik geht. Entscheidend wird sein, diesen individuellen Vorteil zu wahren und kompetente Antworten auf die Automatisierungsfragen der Kunden geben zu können. Ein besonderer Umstand hilft hier: Die guten regionalen Netzwerke und die perfekte Kenntnis ihrer jeweiligen Märkte machen etablierte Händler besonders für ausländische Robotikhersteller hochinteressant. Diese Hersteller sind auf die Glaubwürdigkeit der Händler angewiesen, um ihre Verkäufe in fremden Märkten anzukurbeln. Eines ist klar: Full-Service-Anbieter sollten darauf achten, dass Wettbewerber keine offene „Robotik-Flanke" nutzen, um ihr gesamtes Sortiment zu präsentieren.
3. Robotik sorgt für Bewegung
Es gibt keinen Grund zur Angst, doch es lässt sich nicht leugnen: Robotik sorgt für einige Bewegung im Markt. Reinigungsunternehmen gründen plötzlich spezialisierte Handelsgesellschaften (etwa die Wackler Service Group in Deutschland). Andere investieren sogar in Robotikhersteller (Reiwag in LionsBot). SoftBank Robotics Singapore geht den umgekehrten Weg und übernimmt Millennium in Australien. Zwei Hersteller, LionsBot und Nilfisk, bringen einen gemeinsamen Roboter auf den Markt. Es tut sich etwas.
4. Neue Hersteller aus anderen Branchen treten in den Markt ein
Lange war die Reinigungsrobotik ein vernachlässigtes Feld. Die Musik spielte in anderen Bereichen, etwa der Intralogistik. Zuletzt zeigt sich jedoch, dass besonders Hersteller aus China plötzlich das größte Potenzial in der Reinigungsrobotik sehen, um in westlichen Märkten Fuß zu fassen. Das beste Beispiel sind die Lieferroboter-Experten von PUDU. Mit ihrem kompakten PUDU CC1 haben sie der Branche den Kampf angesagt. Dasselbe gilt für Keenon, das sein Reinigungsroboter-Sortiment aktualisiert und erweitert. Eine Verlangsamung der Entwicklung? Nicht in Sicht.
5. Automatisierung als Teil von Ausschreibungen
Der große Schub mag später kommen, doch Corporate-Real-Estate-Manager erwarten von ihren Dienstleistern, beim Thema Robotik am Ball zu bleiben. Selbst wenn der tatsächliche Einsatz von Robotik immer weiter in die Zukunft geschoben wird, ist er heute oft schon Teil von Ausschreibungen.
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